Herz Europas15. Mai bis 3. Juni 2012

Motto 2012

Jeder Musiker oder Musikliebhaber wird ohne Vorbehalte und mit einer ernsten Verbeugung den Titel »Herz Europas« jener Region zuerkennen, die im Dreieck Wien-Budapest-Prag so viele Wunderwerke der Musik geboren hat. Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Dvořák, Smetana, Schönberg, Bartók, Ligeti ..., die Liste ließe sich noch lange fortführen. Sie alle wurden in den drei Metropolen geformt. Aber auch ist kein musikalisches Genie entlang der Donau ohne die »Zigeunermusik« und die böhmischen, ungarischen und österreichischen Volksmusiker denkbar! Als wäre in dieser »Ehe der Einflüsse« die Lebenslust und Vitalität der einfachen Menschen mit der intellektuellen Elite der Metropolen eine Liebesbeziehung eingegangen, deren Kinder die großen Meisterwerke der Musik sind.

Motto 2012

Die Habsburger und ihre Kulturbesessenheit scheinen nur oberflächlich für diesen kreativen Vulkan verantwortlich. Bei genauerem Hinsehen ist die ständig drohende Zerstörung von Prunk und Glanz in diesem Dreieck der Residenzstädte eine ebenso große Kraft. Ausgerechnet mit dem Amtsantritt von Maria Theresia war das sogenannte »Goldene Zeitalter« am Hof in Wien beendet. Die Anzahl der Musiker sank von 130 auf 20, und die Kapelle wurde verpachtet. Und doch markiert genau diese Zeit den Beginn der berühmten Wiener Klassik. Ebenso war der geradezu morbide Zerfall während der k. u. k. Monarchie Inspirationsquelle für die Spätromantik und die Geburt der Moderne in der Musik. Ein starkes Herz hat dem musikalischen Titanen Europa bis heute den weltweiten Ruf der »Wiege der Musik« eingebracht. Ob Kaiserpracht, französische Revolution, Romantik oder industrielle Revolution – alles wurde zwischen Donau und Moldau zu Musik und strahlt bis heute für die gesamte Menschheit.

Jan Vogler