Geschichte
Geschichte der Dresdner Musikfestspiele
Wenngleich die Dresdner Musikfestspiele bereits in den Musen- und Zwingerfesten der sächsischen Kurfürsten historische Vorläufer haben, verdanken sie ihre eigentliche Existenz einem regierungsamtlichen Dekret inmitten des Kalten Krieges. Von Berlin, Hauptstadt der DDR, wurde nämlich vom Zentralkomitee der SED und dem Ministerrat verfügt: »Beginnend 1978 finden in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges Dresdner Musikfestspiele statt!« Tatsächlich funktionierte diese Verfügung »von oben«, und trotz mangelnder Devisen wurde das Festival den geforderten Ansprüchen mehr als gerecht. Weltstars wie Marilyn Horne, René Kollo, Barbara Hendricks, Dietrich Fischer-Dieskau kamen, um einmal in der Musikstadt Dresden aufzutreten oder um gemeinsam mit der »Kapelle« zu musizieren. Geradezu legendär in den Jahren des Eisernen Vorhangs waren die großen Orchestergastspiele: Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado und die Mailänder Scala, Zubin Mehta und das New York Philharmonic Orchestra.
Von 1990 an galt es das Festival in einem offeneren und zusammenwachsenden Europa zu verankern. Dass dies gelungen ist, davon zeugen die vielen Musikfreunde aus dem In- und Ausland, die es alljährlich um Pfingsten herum für zwei Wochen zu den Festspielen zieht. Jedenfalls sind – zur Freude der Hoteliers – die Dresdner Hotels während der Festspielzeit nahezu ausgebucht. In den mehr als 30 Jahrgängen wurde nicht nur die bis zum sächsischen Hof zurückreichende Tradition der großen Opern, Ballette und Feuerwerke fortgesetzt, sondern neben Orchester- und Kammermusikkonzerten auch Alte Musik, Neue Musik, Weltmusik und Jazz angeboten – den Tanz nicht zu vergessen.
Breiten Raum nehmen traditionell auch musikalische Wiederentdeckungen ein wie etwa 2001 die Aufführung der deutschsprachigen Fassung von Johann Gottlieb Naumanns Oper »Cora« oder 2006 die szenische Umsetzung des Oratoriums »Der Tod Abels« von Franz Seydelmann.
Zu den weit mehr als 100 Uraufführungen während der Dresdner Musikfestspiele zählen die Oper »Der zerbrochene Krug« von Viktor Ullmann, einem in Theresienstadt ermordeten jüdischen Komponisten, die Oper »Farinelli« von Siegfried Matthus oder »Marsyas« von Steffen Schleiermacher nach Texten von Franz Fühmann.
Neben dem inzwischen nahezu zu einer unverrückbaren Instanz gewordenen »Dresden singt & musiziert«, das alljährlich Hunderte von Sängern und Tausende von Zuhörern an die Brühlsche Terrasse lockt, zieht sich seit 2004 eine weitere Veranstaltung durch alle Festspieljahrgänge – die ganzvolle Verleihung des Glashütte Original MusikFestspielPreises an eine Künstlerpersönlichkeit allerersten Ranges.
Auch das Jahr für Jahr wechselnde Thema ist von Anfang an fester Bestandteil des Festivals, wird aber, wie Intendant Jan Vogler betont, vor allem den internationalen Aspekt hervorheben. So lautet das Motto der 33. Ausgabe der Dresdner Musikfestspiele auch folgerichtig und wegweisend »Russlandia«.
Die Intendanten der Dresdner Musikfestspiele
seit 2008: Jan Vogler
2002 bis 2008: Prof. Hartmut Haenchen
2001 bis 2002: Torsten Mosgraber
1993 bis 2000: Dr. Michael Hampe
1991 bis 1993: Mattis Dänhardt
1977 bis 1991: Dr. Winfried Höntsch
Die Themen der Musikfestspiele seit ihrer Gründung
2010 Russlandia
2009 Neue Welt
2008 Utopia
2007 Landschaften
2006 Glauben - Verständnis, Toleranz, Kritik
2005 Lust am Fremden
2004 Sagenhaftes
2003 Wagner & Wolf
2002 Sehnsucht und Abschied
2001 Aufbruch
2000 Barock & Jazz
1999 España
1998 Die Macht der Musik
1997 Italiener in Elbflorenz
1996 Aufklärung - Traum der Vernunft
1995 Apokalypse
1994 Sachsens Glanz - Das Augusteische Zeitalter
1993 Tanzpodium
1992 Oper in Dresden - Kunst für Europa
1991 Das Erbe Mozarts in Dresden
1990 Russische Klassik - Sowjetische Moderne
1989 Vier Jahrzehnte sozialistische Musikkultur
1988 Verdi und Wagner in Dresden
1987 Die italienische Oper in Dresden
1986 Carl Maria von Weber und der Gedanke der
Nationaloper
1985 Semperoper - Tradition und Gegenwart
1984 Begegnungen mit Tanz
1983 Dresdner Operntraditionen
1982 Musiktheater für Kinder
1981 Mozart als Musikdramatiker
1980 Tanztheater heute
1979 Oper des 20. Jahrhunderts
1978 Kammeroper
