Herz Europas15. Mai bis 3. Juni 2012

Geschichte

Geschichte der Dresdner Musikfestspiele

Die Dresdner Musikfestspiele haben sich im Laufe ihrer mehr als dreißigjährigen Geschichte als prägende Kulturinstitution in Dresden etabliert und ziehen das Publikum weit über Deutschlands Grenzen hinaus jährlich zwischen Mai und Juni an die Elbe. Während dieser zwei Festivalwochen reisen namhafte Orchester, große Solisten und Ensembles nach Dresden, um an einer Vielzahl der schönsten Spielstätten im Stadtzentrum und der Umgebung Konzerte zu geben und die Stadt mit Musik zu füllen.

Semperoper

Wenngleich die Dresdner Musikfestspiele bereits in den Musen- und Zwingerfesten der sächsischen Kurfürsten historische Vorläufer haben, verdanken sie ihre eigentliche Existenz einem regierungsamtlichen Dekret inmitten des Kalten Krieges. In Berlin, Hauptstadt der DDR, verfügten das Zentralkomitee der SED und der Ministerrat: »Beginnend 1978 finden in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges Dresdner Musikfestspiele statt!«  Dieses quasi verordnete musikalische Ereignis traf schon allein in der damaligen DDR auf eine beachtliche Konkurrenz wie die »Berliner Festtage«, »Musikbiennale«, »Händel-Festspiele« usw. und war gleichermaßen mit einem großen Qualitätsanspruch angetreten. Tatsächlich erwies sich dieser Beschluss »von oben« als äußert fruchtbar, wurde das aus der Taufe gehobene Festival trotz mangelnder Devisen zu einem kulturellen Ereignis.

Claudio Abbado

Weltstars wie Marilyn Horne, René Kollo, Barbara Hendricks, Dietrich Fischer-Dieskau kamen, um einmal in der Musikstadt Dresden aufzutreten oder um gemeinsam mit der »Kapelle« zu musizieren. Geradezu legendär in den Jahren des Eisernen Vorhangs waren die großen Orchestergastspiele: Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado und das Orchester der Mailänder Scala, Zubin Mehta und das New York Philharmonic.

Mit der Wende mussten sich die Dresdner Musikfestspiele neuen Herausforderungen stellen und es galt, das Festival in einem offeneren und zusammenwachsenden Europa zu verankern. In den mehr als 30 Jahrgängen wurde musikalisch nicht nur an die bis zum sächsischen Hof zurückreichende Tradition der großen Opern, Ballette und Feuerwerke angeknüpft, sondern wurde neben Orchester-, Kammermusik- und Solokonzerten auch Alte Musik, Neue Musik, Weltmusik, Jazz und Tanz geboten – eine Vielfalt, die bis heute das Programm der Dresdner Musikfestspiele prägt. Die seit der Gründung bestehende Tradition des jährlich wechselnden Festspielmottos wird bis heute fortgeführt und rückt so jedes Jahr eine neue musikalische Welt in den Fokus, die es für das Publikum zu entdecken gilt.

Dresi

Zu einer weiteren beliebten Tradition haben sich die 1981 unter dem Motto »Das Festival kommt zu seinen Besuchern« ins Leben gerufene Veranstaltung »Dresden singt & musiziert« entwickelt, die alljährlich Hunderte von Sängern und Tausende von Zuhörern an die Brühlsche Terrasse lockt. Das Open-Air Konzert ist auch ein Geschenk an das Publikum, das vor der Kulisse der Altstadt nicht nur Musik genießen kann, sondern gleichzeitig zum Mitmachen eingeladen wird.

Gomp

Ein wichtiges Ereignis der Musikfestspiele ist die Verleihung des 2004 initiierten Glashütte Original MusikFestspielPreises. Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten der Musikwelt, die sich um die Förderung von Nachwuchskünstlern oder um die Vermittlung klassischer Musik besonders verdient gemacht haben. Nach den bisherigen Preisträgern – Kurt Masur, John Neumeier, Joachim Herz, Gidon Kremer, Christa Ludwig, Gustavo Dudamel und Valery Gergiev – durften sich 2011 die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle über die Auszeichnung für das Education-Programm »Zukunft@BPhil« freuen.

Seit der Saison 2009 ist Jan Vogler Intendant der Dresdner Musikfestspiele. In dieser Funktion setzt er sich ein für Toleranz und die Begegnung der Menschen aus aller Welt in Dresden durch die Kraft der Musik. Seine Vision ist es, den Ruf der Musikfestspiele in die Welt zu tragen und »Dresden in der ersten Liga der Festivalstädte der Welt zu etablieren«. Und so führte die musikalische Reise der letzten Festspiele beinahe rund um den Globus mit Stationen in der Neuen Welt, Russlandia und Asien, um in der Saison 2012 im »Herz Europas« Halt zu machen und den Blick auf die reiche Musiktradition zwischen Wien, Budapest und Prag zu richten. 

Die Intendanten der Dresdner Musikfestspiele

seit 2008: Jan Vogler
2002 bis 2008: Prof. Hartmut Haenchen
2001 bis 2002: Torsten Mosgraber
1993 bis 2000: Dr. Michael Hampe
1991 bis 1993: Mattis Dänhardt
1977 bis 1991: Dr. Winfried Höntsch

Die Themen der Musikfestspiele seit ihrer Gründung

2012   Herz Europas
2011   Fünf Elemente
2010   Russlandia
2009   Neue Welt
2008   Utopia
2007   Landschaften
2006   Glauben - Verständnis, Toleranz, Kritik
2005   Lust am Fremden
2004   Sagenhaftes
2003   Wagner & Wolf
2002   Sehnsucht und Abschied
2001   Aufbruch
2000   Barock & Jazz
1999   España
1998   Die Macht der Musik
1997   Italiener in Elbflorenz
1996   Aufklärung - Traum der Vernunft
1995   Apokalypse
1994   Sachsens Glanz - Das Augusteische Zeitalter
1993   Tanzpodium
1992   Oper in Dresden - Kunst für Europa
1991   Das Erbe Mozarts in Dresden
1990   Russische Klassik - Sowjetische Moderne
1989   Vier Jahrzehnte sozialistische Musikkultur
1988   Verdi und Wagner in Dresden
1987   Die italienische Oper in Dresden
1986   Carl Maria von Weber und der Gedanke der
          Nationaloper
1985   Semperoper - Tradition und Gegenwart
1984   Begegnungen mit Tanz
1983   Dresdner Operntraditionen
1982   Musiktheater für Kinder
1981   Mozart als Musikdramatiker
1980   Tanztheater heute
1979   Oper des 20. Jahrhunderts
1978   Kammeroper