Geschichte
Geschichte der Dresdner Musikfestspiele
Die Dresdner Musikfestspiele haben sich im Laufe ihrer mehr als dreißigjährigen Geschichte als prägende Kulturinstitution in Dresden etabliert und ziehen das Publikum weit über Deutschlands Grenzen hinaus jährlich zwischen Mai und Juni an die Elbe. Während dieser zwei Festivalwochen reisen namhafte Orchester, große Solisten und Ensembles nach Dresden, um an einer Vielzahl der schönsten Spielstätten im Stadtzentrum und der Umgebung Konzerte zu geben und die Stadt mit Musik zu füllen.
Wenngleich die Dresdner Musikfestspiele bereits in den Musen- und Zwingerfesten der sächsischen Kurfürsten historische Vorläufer haben, verdanken sie ihre eigentliche Existenz einem regierungsamtlichen Dekret inmitten des Kalten Krieges. In Berlin, Hauptstadt der DDR, verfügten das Zentralkomitee der SED und der Ministerrat: »Beginnend 1978 finden in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges Dresdner Musikfestspiele statt!« Dieses quasi verordnete musikalische Ereignis traf schon allein in der damaligen DDR auf eine beachtliche Konkurrenz wie die »Berliner Festtage«, »Musikbiennale«, »Händel-Festspiele« usw. und war gleichermaßen mit einem großen Qualitätsanspruch angetreten. Tatsächlich erwies sich dieser Beschluss »von oben« als äußert fruchtbar, wurde das aus der Taufe gehobene Festival trotz mangelnder Devisen zu einem kulturellen Ereignis.
Weltstars wie Marilyn Horne, René Kollo, Barbara Hendricks, Dietrich Fischer-Dieskau kamen, um einmal in der Musikstadt Dresden aufzutreten oder um gemeinsam mit der »Kapelle« zu musizieren. Geradezu legendär in den Jahren des Eisernen Vorhangs waren die großen Orchestergastspiele: Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado und das Orchester der Mailänder Scala, Zubin Mehta und das New York Philharmonic.
Mit der Wende mussten sich die Dresdner Musikfestspiele neuen Herausforderungen stellen und es galt, das Festival in einem offeneren und zusammenwachsenden Europa zu verankern. In den mehr als 30 Jahrgängen wurde musikalisch nicht nur an die bis zum sächsischen Hof zurückreichende Tradition der großen Opern, Ballette und Feuerwerke angeknüpft, sondern wurde neben Orchester-, Kammermusik- und Solokonzerten auch Alte Musik, Neue Musik, Weltmusik, Jazz und Tanz geboten – eine Vielfalt, die bis heute das Programm der Dresdner Musikfestspiele prägt. Die seit der Gründung bestehende Tradition des jährlich wechselnden Festspielmottos wird bis heute fortgeführt und rückt so jedes Jahr eine neue musikalische Welt in den Fokus, die es für das Publikum zu entdecken gilt.
Zu einer weiteren beliebten Tradition haben sich die 1981 unter dem Motto »Das Festival kommt zu seinen Besuchern« ins Leben gerufene Veranstaltung »Dresden singt & musiziert« entwickelt, die alljährlich Hunderte von Sängern und Tausende von Zuhörern an die Brühlsche Terrasse lockt. Das Open-Air Konzert ist auch ein Geschenk an das Publikum, das vor der Kulisse der Altstadt nicht nur Musik genießen kann, sondern gleichzeitig zum Mitmachen eingeladen wird.
Ein wichtiges Ereignis der Musikfestspiele ist die Verleihung des 2004 initiierten Glashütte Original MusikFestspielPreises. Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten der Musikwelt, die sich um die Förderung von Nachwuchskünstlern oder um die Vermittlung klassischer Musik besonders verdient gemacht haben. Nach den bisherigen Preisträgern – Kurt Masur, John Neumeier, Joachim Herz, Gidon Kremer, Christa Ludwig, Gustavo Dudamel und Valery Gergiev – durften sich 2011 die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle über die Auszeichnung für das Education-Programm »Zukunft@BPhil« freuen.
Seit der Saison 2009 ist Jan Vogler Intendant der Dresdner Musikfestspiele. In dieser Funktion setzt er sich ein für Toleranz und die Begegnung der Menschen aus aller Welt in Dresden durch die Kraft der Musik. Seine Vision ist es, den Ruf der Musikfestspiele in die Welt zu tragen und »Dresden in der ersten Liga der Festivalstädte der Welt zu etablieren«. Und so führte die musikalische Reise der letzten Festspiele beinahe rund um den Globus mit Stationen in der Neuen Welt, Russlandia und Asien, um in der Saison 2012 im »Herz Europas« Halt zu machen und den Blick auf die reiche Musiktradition zwischen Wien, Budapest und Prag zu richten.
Die Intendanten der Dresdner Musikfestspiele
seit 2008: Jan Vogler
2002 bis 2008: Prof. Hartmut Haenchen
2001 bis 2002: Torsten Mosgraber
1993 bis 2000: Dr. Michael Hampe
1991 bis 1993: Mattis Dänhardt
1977 bis 1991: Dr. Winfried Höntsch
Die Themen der Musikfestspiele seit ihrer Gründung
2012 Herz Europas
2011 Fünf Elemente
2010 Russlandia
2009 Neue Welt
2008 Utopia
2007 Landschaften
2006 Glauben - Verständnis, Toleranz, Kritik
2005 Lust am Fremden
2004 Sagenhaftes
2003 Wagner & Wolf
2002 Sehnsucht und Abschied
2001 Aufbruch
2000 Barock & Jazz
1999 España
1998 Die Macht der Musik
1997 Italiener in Elbflorenz
1996 Aufklärung - Traum der Vernunft
1995 Apokalypse
1994 Sachsens Glanz - Das Augusteische Zeitalter
1993 Tanzpodium
1992 Oper in Dresden - Kunst für Europa
1991 Das Erbe Mozarts in Dresden
1990 Russische Klassik - Sowjetische Moderne
1989 Vier Jahrzehnte sozialistische Musikkultur
1988 Verdi und Wagner in Dresden
1987 Die italienische Oper in Dresden
1986 Carl Maria von Weber und der Gedanke der
Nationaloper
1985 Semperoper - Tradition und Gegenwart
1984 Begegnungen mit Tanz
1983 Dresdner Operntraditionen
1982 Musiktheater für Kinder
1981 Mozart als Musikdramatiker
1980 Tanztheater heute
1979 Oper des 20. Jahrhunderts
1978 Kammeroper

