Bereits die sächsischen Fürsten ließen ihre Turnierspiele, Tierhatzen und Massenaufzüge mit Musik, Gesang und Tanz begleiten. Dresden wetteiferte mit den anderen Adelshäusern Europas um die prunkvollste Hofhaltung. Besonders opulent wurde die Eheschließung zwischen dem sächsischen Kurprinzen und Maria Josepha, Tochter Kaiser Josephs I. gefeiert. Im Rahmen der 28 Tage währenden Festivitäten wurde am 15. September 1719 der Dresdner Zwinger eingeweiht. Mit ihm als »Festsaal unter freiem Himmel« erhielten die sogenannten Musenfeste eine Spielstätte par excellence, errichtet auf festem Grund – aus sächsischem Sandstein.
Per Dekret wurde aus (Ost-)Berlin verfügt: »Beginnend 1978 finden in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges Dresdner Musikfestspiele statt!« So lautet der Beschluss des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR.
Die Dresdner Musikfestspiele waren trotz mangelnder Devisen ein Festival von internationalem Rang. Die Weltstars (u.a. Marilyn Horne, René Kollo, Barbara Hendricks, Dietrich Fischer-Dieskau) kamen oft deshalb, um einmal in dieser Musikstadt aufzutreten oder um gemeinsam mit der »Kapelle« zu musizieren. Einen fast sagenumwobenen Ruf genossen die großen Orchestergastspiele: Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado und die Mailänder Scala, Zubin Mehta und das New York Philharmonic Orchestra.
Seit 1994 ziehen die Dresdner Musikfestspiele jährlich durchschnittlich 100.000 Musikfans an. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus Dresden, die andere Hälfte reist aus aller Welt an. Jedes Jahr im Mai/Juni finden in zweieinhalb Wochen um die 80 Veranstaltungen statt. Im Jahr 2003 waren es sogar 174 Programmpunkte und über 150.000 Gäste. Die Tradition der großen Opern, Ballette und Feuerwerke wird fortgesetzt. Hinzu kommen Orchester- und Kammermusikkonzerte und neuerdings auch Konzerte aus den Bereichen Alte Musik, Weltmusik und Jazz.
Ein internationales Kolloquium galt 2005 einem früheren Konzertmeister der Hofkapelle Johann Georg Pisendel. 1999 wurde der Komponist Johann Adolf Hasse anlässlich seines 300. Geburtstags gewürdigt. Hasse war über 30 Jahre als Hofkapellmeister in Dresden tätig und schrieb für den Hof 25 Opern. In den letzten Jahren wurden verschiedene Opern aufgeführt, die eigens für Dresden entstanden sind: »Artemisia«, »Attilio Regolo«, »Solimano oder »L‘artigiano gentiluomo«, die Oper »Aci e Galatea« seines Nachfolgers Johann Gottlieb Naumann oder die »Musicalische Opera von Apollo und Dafne« von Marco Giuseppe Peranda und Giovanni Andrea Bontempi.
Im Jahr 2001 würdigten die Dresdner Musikfestspiele das Werk Johann Gottlieb Naumanns anlässlich seines 200. Todesjahres. Es wurde die deutschsprachige Fassung seiner Oper »Cora« sowie einige Sakralmusikwerke aufgeführt. Außerdem erklang Carlo Pallavicinos »Gerusalemme liberata«. Der Komponist wirkte im späten 17. Jahrhundert als Kapellmeister am Dresdner Hof.
Zu den mehr als 100 Uraufführungen während der Dresdner Musikfestspiele zählen beispielsweise die Oper »Der zerbrochene Krug« von Viktor Ullmann, einem in Theresienstadt ermordeten jüdischen Komponisten, oder die Oper »Farinelli« von Siegfried Matthus. Der Titelheld dieser Oper (im 18. Jahrhundert ein legendärer Kastrat) sang übrigens einst auch in Dresden. 2001 präsentierten die Musikfestspiele mit »Lost Objects« eine vollkommen neue Form des Musiktheaters: »A transmusicArt project« nannten die drei New Yorker Komponisten Julia Wolfe, David Lang und Michael Gordon ihren kühn kollagierenden Grenzgang zwischen Musik, virtuellem Theater und Performance. Mit der originalen Komposition von Louis Andriessen ist Peter Greenaways Film »M is for Man, Music, Mozart« zum ersten Mal in Deutschland mit Live-Musik gezeigt worden. Für den Jahrgang 2002 hatten die Dresdner Musikfestspiele die aus Leningrad stammende avantgardistische Theatergruppe Derevo mit der Erarbeitung eines neuen Stückes beauftragt: »Inseln im Sturm«.
Seit dem Festspieljahrgang 2001 finden Konzerte nahezu aller Musikgenres statt. Neben Aufführungen mit klassischer und barocker Musik werden auch Musiktheater, Tanz, Jazz, Film, Literatur und bildende Künste mit einbezogen. Das Programm des Jahres 2001 enthielt eine vier Konzerte umfassende Reihe mit Musik der Nomaden. Die Musikfestspiele 2002 holten mit ihrem Schwerpunkt »Ferner Osten« Musik und Kultur aus Asien, einem Erdteil, der die Europäer schon seit Jahrhunderten fasziniert, nach Dresden.
Seit dem Festivaljahrgang 2003 – mit einem Publikumsrekord von 150.000 Besuchern! – hat sich das neue, von Hartmut Haenchen und seinem Team entwickelte Konzept von Thema und Reihen etabliert. Dazu gehören die »Reisen zur Musik« ins Dresdner Umland und der »Meißner MusikMarathon«, aber auch eine jährlich wechselnde kulturelle Gaststadt, die im Mittelpunkt der Festspiele steht. 2003 und 2004 waren dies Amsterdam und Paris, 2005 wird es Lissabon sein. Jedes Jahr wird eine »Carte blanche« an einen Dresdner oder eng mit Dresden verbundenen Künstler sowie an einen Gastkünstler vergeben. Nach Peter Schreier und Gidon Kremer (2003), Kurt Masur und Murray Perahia (2004), Peter Rösel und das Kronos Quartet (2005) haben 2006 Kreuzkantor Roderich Kreile und der Geiger Frank Peter Zimmermann das Programm wesentlich mitgestalten können.
Seit der Neustrukturierung ab 2003 stellen die Musikfestspiele in jedem Jahr eine europäische Kulturmetropole ins Zentrum des Programms. In den letzten Jahren waren es Amsterdam, Paris, Lissabon, Rom und Helsinki. 2008 wird Budapest in Dresden präsentiert.
2002 bis 2008: Prof. Hartmut Haenchen
2001 bis 2002: Torsten Mosgraber
1993 bis 2000: Dr. Michael Hampe
1991 bis 1993: Mattis Dänhardt
1977 bis 1991: Dr. Winfried Höntsch
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2008 |
Utopia |
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| 2006 | Glauben – Verständnis, Toleranz, Kritik | ||
| 2005 | Lust am Fremden | ||
| 2004 | Sagenhaftes | ||
| 2003 | Wagner & Wolf | ||
| 2002 | Sehnsucht und Abschied | ||
| 2001 | Aufbruch | ||
| 2000 | Barock & Jazz | ||
| 1999 | España | ||
| 1998 | Die Macht der Musik | ||
| 1997 | Italiener in Elbflorenz | ||
| 1996 | Aufklärung – Traum der Vernunft | ||
| 1995 | Apokalypse | ||
| 1994 | Sachsens Glanz – Das Augusteische Zeitalter | ||
| 1993 | Tanzpodium | ||
| 1992 | Oper in Dresden – Kunst für Europa | ||
| 1991 | Das Erbe Mozarts in Dresden | ||
| 1990 | Russische Klassik – Sowjetische Moderne | ||
| 1989 | Vier Jahrzehnte sozialistische Musikkultur | ||
| 1988 | Verdi und Wagner in Dresden | ||
| 1987 | Die italienische Oper in Dresden | ||
| 1986 | Carl Maria von Weber und der Gedanke der Nationaloper | ||
| 1985 | Semperoper – Tradition und Gegenwart | ||
| 1984 | Begegnungen mit Tanz | ||
| 1983 | Dresdner Operntraditionen | ||
| 1982 | Musiktheater für Kinder | ||
| 1981 | Mozart als Musikdramatiker | ||
| 1980 | Tanztheater heute | ||
| 1979 | Oper des 20. Jahrhunderts | ||
| 1978 | Kammeroper |